Vaude Hiking Backpack Poncho II oder Sea to Summit Ultra-Sil Nano: welcher Regenponcho?

Zwei Regenponchos, die beide über den Rucksack passen, und trotzdem zwei völlig verschiedene Geräte. Der eine hat eine Membran und hält 10.000 Millimeter Wassersäule aus. Der andere wiegt halb so viel, hält ein Achtel davon aus und lässt sich abends als Tarp abspannen.
Wer die Klasse insgesamt sucht, findet den Überblick bei den Regenponchos. Hier stehen die Datenblätter der beiden nebeneinander.
- Vaude Hiking Backpack Poncho II, wenn es lange und stark regnetCeplex-Active-Membran mit 10.000 mm Wassersäule, atmungsaktiv, recyceltes Polyester
- Sea to Summit Ultra-Sil Nano Tarp Poncho, wenn Gewicht zählt230 Gramm, Packmaß einer Faust, abspannbar als Notunterkunft und Unterlage
- Beideüber den Rucksack tragbar, Kapuze, wasserdichte Nähte
Die zwei Kandidaten
Vaude Hiking Backpack Poncho II
440 g, 10.000 mm Wassersäule
Sea to Summit Ultra-Sil Nano Tarp Poncho
230 g, 145 x 265 cm
Die Daten nebeneinander
| Merkmal | Vaude Hiking Backpack Poncho II | Sea to Summit Ultra-Sil Nano Tarp Poncho |
|---|---|---|
| Gewicht | 440 g in mittlerer Größe | 230 g |
| Maße | 140 cm Länge in mittlerer Größe | 145 x 265 cm |
| Wassersäule | 10.000 mm | 1.200 mm |
| Atmungsaktiv | ja, Ceplex-Active-Membran | nein, beschichtet |
| Material | recyceltes Polyester mit PU-Beschichtung | 15D Nylon, silikonisiert mit PU-Innenbeschichtung |
| Imprägnierung | PFC-frei, wasser- und schmutzabweisend | keine Angabe |
| Nähte | wasserdicht verarbeitet | doppelt genäht und getapt |
| Kapuze | vorhanden | ergonomisch aus drei Bahnen |
| Über den Rucksack | ja, dafür geschnitten | ja, auch über große Rucksäcke |
| Zweitfunktion | keine | Tarp, Unterlage, Rucksackhülle |
| Abspannpunkte | keine | vorhanden |
| Seitenverschluss | keine Angabe | Druckknöpfe an den Seiten |
| Rückenraffung | keine Angabe | Kordelzug hebt den Saum ohne Rucksack |
| Packmaß | keine Angabe | 13,5 x 7,5 x 7,5 cm |
| Artikelnummer | 47185 | 6890000 |
Die Werte zum Ultra-Sil Nano stammen aus dem Datenblatt von Sea to Summit. Vaude liefert seine Produktseiten nicht an automatische Abrufe aus, Gewicht, Länge, Wassersäule und Materialaufbau des Backpack Poncho II stammen deshalb aus der Herstellerbeschreibung und den Datenblattangaben des Fachhandels. Wo ein Wert fehlt, steht keine Angabe, und das zählt nicht als Nachteil.
Was aus den Zahlen folgt
Wo 1.200 Millimeter Wassersäule an ihre Grenze kommen
Die Rechnung mit dem Schulterriemen
Wassersäule ist ein Druckwert. 1.200 Millimeter Wassersäule entsprechen rund 12.000 Pascal, 10.000 Millimeter entsprechen 100.000 Pascal, also etwa Atmosphärendruck.
Regen allein erzeugt kaum Druck. Kritisch wird es dort, wo etwas auf den nassen Stoff drückt. Ein Rucksackriemen, der mit 10 Kilogramm Last auf einer Fläche von 40 Quadratzentimetern aufliegt, erzeugt 98 Newton auf 0,004 Quadratmeter, also rund 24.500 Pascal oder 2.500 Millimeter Wassersäule.
Das liegt über dem Wert des Sea to Summit und deutlich unter dem des Vaude. Genau an der Schulter drückt beim Ultra-Sil also nach einiger Zeit Feuchtigkeit durch, während der Vaude dort trocken bleibt.
Beim Sitzen auf nassem Fels ist der Effekt noch stärker, weil das Körpergewicht auf einer kleineren Fläche steht.
Was die Membran im Poncho tatsächlich bringt
Atmungsaktivität gegen offenen Saum
Beim zügigen Gehen mit Gepäck verdunstet ein Erwachsener rund einen halben Liter Schweiß je Stunde, also 500 Gramm Wasserdampf.
Eine Membran der Klasse, die Vaude hier verbaut, schafft in der Größenordnung von 10.000 Gramm je Quadratmeter und Tag. Bei rund zwei Quadratmetern Poncho sind das theoretisch etwa 830 Gramm je Stunde, also genug.
Nur: Ein Poncho ist unten offen. Über einen Saum von rund vier Metern Umfang zieht bei jedem Schritt Luft nach, und dieser Luftwechsel transportiert ein Vielfaches dessen ab, was die Membran je schafft.
Der Vorteil der Membran fällt beim Poncho deshalb kleiner aus als bei einer Jacke. Er zeigt sich vor allem bei Windstille, bei zugezogenen Seiten und dort, wo der Stoff am Körper klebt.
Was der Poncho ersetzt, wenn er auch Tarp ist
Die Rechnung übers Systemgewicht
Der Sea to Summit wiegt 210 Gramm weniger. Das allein wäre wenig.
Entscheidend ist die Zweitfunktion: Ein einfaches Tarp in ähnlicher Größe wiegt 300 bis 500 Gramm. Wer den Poncho als Notunterstand mitrechnet, spart dieses Gewicht komplett ein und liegt gegenüber der Kombination aus Vaude und Tarp bei 500 bis 700 Gramm weniger im Rucksack.
Bei 145 mal 265 Zentimetern ergibt das abgespannt eine Fläche von 3,8 Quadratmetern, genug für eine Person mit Rucksack oder als Regendach über dem Kochplatz.
Wer ohnehin ein Zelt dabei hat, gewinnt dagegen nichts und trägt nur einen Poncho mit geringerer Wassersäule.
Wofür welches Modell reicht
Wer die Tarp-Funktion ernsthaft nutzen will und nicht nur als Notlösung, sollte statt eines Doppelnutzens ein richtiges Tarp mitnehmen. Und wer den Poncho nur als Ergänzung sieht, findet die Alternative bei den ultraleichten Regenjacken.
Wo jeder von beiden gewinnt
Für den Vaude spricht
- 10.000 statt 1.200 Millimeter Wassersäule
- Atmungsaktive Membran statt reiner Beschichtung
- PFC-freie Ausrüstung auf recyceltem Polyester
- Robusteres Material für den Dauereinsatz
- Schnitt ausdrücklich für große Rucksäcke
Für den Sea to Summit spricht
- 230 statt 440 Gramm
- Packmaß von 13,5 mal 7,5 Zentimetern
- Abspannbar als Unterstand mit 3,8 Quadratmetern
- Dreiteilige Kapuze und Druckknöpfe an den Seiten
- Kordelzug hebt den Saum, wenn kein Rucksack getragen wird
Die beiden konkurrieren weniger miteinander, als es der gemeinsame Name Poncho nahelegt. Der Vaude ersetzt eine Regenjacke, der Sea to Summit ergänzt eine leichte Ausrüstung um mehrere Funktionen auf einmal. Wer die Wahl an der Wassersäule allein festmacht, übersieht, dass der eine 3,8 Quadratmeter Dach über dem Kopf mitbringt und der andere nicht.



