Naturehike Cloud Up 2 oder Forceatt: welches kompakte 2-Personen-Zelt?

Ein Zelt für zwei Personen ist selten ein Zelt für zwei Personen und Gepäck. Genau daran entscheidet sich, welches der beiden gängigen Trekkingzelte für den eigenen Zweck passt: das leichte mit einer Tür oder das größere mit zweien.
Beide Modelle werden als Rucksackzelt für drei bis vier Jahreszeiten verkauft, beide sind doppelwandig, beide sollen in wenigen Minuten stehen. Die Datenblätter unterscheiden sich trotzdem in fast jeder Zeile. Wer noch grundsätzlich sucht, findet den Überblick über die Bauform bei den Igluzelten.
- Naturehike Cloud Up 2, wenn getragen wird1,8 kg Packgewicht, Packmaß 12 mal 45 cm, 7001er Alugestänge
- Forceatt 2 Personen, wenn zu zweit geschlafen wird225 mal 135 cm Boden, zwei Türen, zwei Apsiden
- Beidedoppelwandig, Moskitonetz im Innenzelt, Aufbau ohne Hilfe
Die zwei Kandidaten
Naturehike Cloud Up 2
1,8 kg, 20D Nylon, eine Tür
Forceatt Zelt 2 Personen
2,5 kg, 68D Polyester, zwei Türen
Die Daten nebeneinander
| Merkmal | Naturehike Cloud Up 2 | Forceatt 2 Personen |
|---|---|---|
| Innenmaß | 210 x 125 cm | 225 x 135 cm |
| Innenhöhe | 105 cm | 110 cm |
| Grundfläche | 2,63 m2 | 3,04 m2 |
| Türen | 1 | 2 |
| Apsiden | 1 | 2 |
| Packgewicht | 1,8 kg | 2,5 kg |
| Mindestgewicht | 1,38 kg | keine Angabe |
| Packmaß | 12 x 45 cm | keine Angabe |
| Außenzelt | 20D Nylon Ripstop, siliconbeschichtet | 68D Polyester, 190T Beschichtung |
| Wassersäule Außenzelt | PU 3000 mm | keine Angabe |
| Wassersäule Boden | PU 5000 mm | keine Angabe |
| Bodenmaterial | 210T Polyester Ripstop | Polyester, verschweißte Naht |
| Innenzelt | Moskitonetz | Moskitonetz, hohe Dichte |
| Gestänge | 7001 Aluminium, einteilig | keine Angabe |
| Heringe | 7075 Aluminium | keine Angabe |
| Belüftung | Lüftungsfenster | 1 Netzfenster, 2 Deckenöffnungen |
| Sturmleinen | reflektierendes Nylon | 4 Windseile |
| Saison | 3 Jahreszeiten | 3 bis 4 Jahreszeiten |
| Artikelnummer | NH17T001-T | keine Angabe |
Die Werte für das Cloud Up 2 stammen aus dem Datenblatt von Naturehike. Für das Forceatt-Zelt gibt es keine Herstellerseite mit technischen Daten, die Angaben stammen deshalb aus der Produktbeschreibung des Anbieters bei Amazon. Wo dort ein Wert fehlt, steht keine Angabe, und das zählt nicht als Nachteil: 190T bezeichnet eine Gewebedichte und keine Wassersäule, aus dieser Zahl lässt sich zur Dichtigkeit nichts ableiten.
Was aus den Zahlen folgt
Ob zwei Isomatten nebeneinander passen
Die Rechnung mit der Bodenbreite
Eine normale Isomatte ist 51 Zentimeter breit, eine breite 63. Zwei normale nebeneinander brauchen also 102 Zentimeter, zwei breite 126.
Beim Naturehike bleiben von 125 Zentimetern Bodenbreite nach zwei normalen Matten 23 Zentimeter übrig, für zwei breite reicht es rechnerisch nicht. Beim Forceatt sind es 33 Zentimeter Rest, und zwei breite Matten gehen sich mit neun Zentimetern Luft aus.
Dazu kommt, dass das Innenzelt oben schmaler zuläuft als unten. Wer auf der Seite schläft, stößt mit der Schulter an die Wand, lange bevor die Matte an ihre Grenze kommt.
Für eine Person mit Gepäck ist das Naturehike großzügig. Für zwei Erwachsene über mehrere Nächte ist das Forceatt die ehrlichere Wahl.
Was 700 Gramm Unterschied im Rucksack bedeuten
Packvolumen und Traglast
Das Packmaß des Naturehike ist ein Zylinder von 12 Zentimetern Durchmesser und 45 Zentimetern Länge. Das sind Pi mal 6 zum Quadrat mal 45, also rund 5090 Kubikzentimeter oder gut fünf Liter.
In einem 50-Liter-Rucksack ist das ein Zehntel des Volumens. Ein Zelt mit 2,5 statt 1,8 Kilogramm liegt beim Volumen erfahrungsgemäß bei sieben bis acht Litern, Forceatt nennt dazu keinen Wert.
Die 700 Gramm Unterschied entsprechen etwa einer Dreiviertelliterflasche Wasser. Auf einer Tagesetappe von 20 Kilometern mit 600 Höhenmetern sind das rund 4100 Joule zusätzlicher Hubarbeit, also gut ein Gramm Traubenzucker. Der Unterschied liegt nicht in der Energie, sondern in der Schulter.
Der Unterschied wird erst dann groß, wenn niemand da ist, mit dem man das Zelt teilt. Zu zweit getragen sind es 350 Gramm je Person, allein die vollen 700. Welcher leichte Trekkingrucksack dazu passt, hängt genau daran.
Warum die Wassersäule am Boden höher sein muss
Kniedruck gegen Bodengewebe
Eine Person mit 70 Kilogramm drückt mit 700 Newton. Kniet sie auf einer Fläche von etwa 50 Quadratzentimetern, ergibt das einen Druck von 700 geteilt durch 0,005 Quadratmeter, also 140.000 Pascal.
Umgerechnet sind das rund 14 Meter Wassersäule oder 14.000 Millimeter. Kein Zeltboden dieser Klasse hält das aus, auch die 5000 Millimeter des Naturehike nicht.
Deshalb ist die Angabe zum Boden kein Versprechen, sondern eine Rangfolge: Sie sagt, wie lange der Boden auf nassem Untergrund unter dem ruhenden Körpergewicht dicht bleibt, nicht was beim Knien passiert.
Die praktische Folge ist bei beiden Zelten dieselbe. Eine Unterlegplane unter dem Boden verlängert dessen Leben deutlich, und eine Luftmatratze oder Isomatte verteilt den Druck so, dass er gar nicht erst punktuell wird.
Wofür welches Modell reicht
Wer nur eine Nacht draußen bleibt und das Zelt nicht braucht, kommt mit einem Biwakzelt deutlich leichter weg. Für die Tour mit dem Rad gelten wieder eigene Maße, dazu steht der Überblick bei den Zelten fürs Bikepacking.
Wo jeder von beiden gewinnt
Für das Naturehike spricht
- 1,8 statt 2,5 Kilogramm, im Rucksack der einzige Wert, der zählt
- Packmaß mit 12 mal 45 Zentimetern klar angegeben
- 20D Nylon Ripstop mit Silikonbeschichtung statt 68D Polyester
- Wassersäule für Außenzelt und Boden genannt
- Gestänge und Heringe aus benannten Aluminiumlegierungen
Für das Forceatt spricht
- 3,04 statt 2,63 Quadratmeter Grundfläche
- Zwei Türen, also ein eigener Ausgang je Person
- Zwei Apsiden statt einer
- 110 statt 105 Zentimeter Innenhöhe
- Drei Lüftungsöffnungen für die schwülen Nächte
Ein ehrlicher Satz zur Vergleichbarkeit: Naturehike veröffentlicht ein vollständiges Datenblatt, Forceatt nicht. Dass in der Tabelle beim Forceatt mehrmals keine Angabe steht, heißt nicht, dass das Zelt an dieser Stelle schlechter ist, sondern nur, dass der Anbieter den Wert nicht nennt. Wer nach Zahlen entscheidet, hat es beim Naturehike deshalb leichter, und das ist ein Argument für sich.



