Black Diamond Distance Carbon Z oder Leki Black Series Carbon: welche Wanderstöcke?

Zwei Paar Carbonstöcke aus dem oberen Regal, beide für dieselbe Tour geeignet, und trotzdem zwei völlig verschiedene Bauarten. Der eine faltet sich auf Unterarmlänge zusammen und hat eine feste Länge. Der andere ist stufenlos verstellbar und wiegt dafür deutlich mehr.
Wer die Klasse insgesamt sucht, findet den Überblick bei den faltbaren Wanderstöcken. Hier stehen die Datenblätter der beiden nebeneinander.
- Black Diamond Distance Carbon Z, wenn Gewicht und Packmaß zählen288 Gramm je Paar, 42 Zentimeter gefaltet, feste Länge
- Leki Black Series Carbon, wenn ein Paar für alles reichen soll100 bis 135 Zentimeter stufenlos, Korkgriff, austauschbare Teller und Spitzen
- BeideCarbon im Schaft, drei Segmente, Klasse für Trekking und Bergwandern
Die zwei Kandidaten
Black Diamond Distance Carbon Z
288 g je Paar, 42 cm gefaltet
Leki Black Series Carbon
470 g je Paar, 100 bis 135 cm
Die Daten nebeneinander
| Merkmal | Black Diamond Distance Carbon Z | Leki Black Series Carbon |
|---|---|---|
| Gewicht je Paar | 288 g bei 125 cm | 470 g |
| Länge | fest, je nach Ausführung | stufenlos 100 bis 135 cm |
| Verfügbare Längen | 110, 115, 120, 125 und 130 cm | ein Modell deckt den ganzen Bereich |
| Packmaß | 42 cm gefaltet | keine Angabe |
| Segmente | drei, Faltkonstruktion | drei, Teleskop mit Klemmung |
| Schaftmaterial | 100 Prozent Kohlefaser | Carbon, Aluminium und Composite |
| Verschluss | keiner, feste Länge | externe Klemmung, TÜV Süd geprüft |
| Griff | EVA-Schaum | Aergon Air mit Korkauflage, hinten gummiert |
| Griffverlängerung | Mini-Grip-Verlängerung | vorhanden |
| Schlaufe | feuchtigkeitsableitendes Band | keine Angabe |
| Spitze | Carbide Tech Tip | austauschbar |
| Teller | Gummispitzen und Schneekörbe passend | austauschbar |
| Aufbau | Entfaltung mit einem Zug | Längeneinstellung vor jedem Abschnitt |
| Einsatzbereich | Bergläufer, Fastpacking, Wandern | Bergsteigen, Trekking, Bergwandern |
| Artikelnummer | BD82507 | 65221601 |
Die Ausstattungsmerkmale stammen aus den Herstellerbeschreibungen beider Marken. Black Diamond und Leki liefern ihre Produktseiten nicht an automatische Abrufe aus, Gewicht, Packmaß und Längenstaffel des Distance Carbon Z sowie Gewicht, Verstellbereich und Griffaufbau des Black Series Carbon stammen deshalb aus den Datenblattangaben des Fachhandels. Wo ein Wert fehlt, steht keine Angabe, und das zählt nicht als Nachteil.
Was aus den Zahlen folgt
Was 182 Gramm Unterschied im Arm bedeuten
Die Rechnung mit dem Gewicht am Stock
288 gegen 470 Gramm je Paar sind 182 Gramm, also 91 Gramm je Stock. Der Leki ist damit rund 63 Prozent schwerer.
Bei 110 Schritten je Minute setzt jeder Arm den Stock etwa 55 Mal je Minute. Auf einer Fünf-Stunden-Tour sind das rund 16.500 Einsätze je Arm. Der Stock wird dabei jedes Mal etwa 20 Zentimeter angehoben, für 91 Gramm ergibt das 0,091 mal 9,81 mal 0,2, also 0,18 Joule je Einsatz.
Über beide Arme summiert sich das auf knapp 6 Kilojoule, also rund 1,4 Kilokalorien. Energetisch ist der Unterschied also nicht messbar.
Was man merkt, ist etwas anderes: die Trägheit beim Schwingen. 91 Gramm mehr am ausgestreckten Arm fühlen sich nach fünf Stunden anders an, als die Energiebilanz vermuten lässt. Das ist der Grund, warum Bergläufer zum leichten Stock greifen, obwohl die Rechnung sagt, es sei egal.
Warum eine feste Stocklänge ein echtes Problem sein kann
Die Rechnung mit der Körpergröße
Als Faustregel gilt: Stocklänge etwa Körpergröße mal 0,68, damit der Ellbogen bei aufgesetztem Stock einen rechten Winkel bildet. Bei 1,80 Meter Körpergröße sind das 122 Zentimeter, bei 1,85 Meter 126 Zentimeter.
Der Black Diamond wird in Fünf-Zentimeter-Schritten angeboten, man landet also nie mehr als 2,5 Zentimeter daneben. So weit, so gut.
Das Problem beginnt am Berg. Bergauf will man den Stock 5 bis 10 Zentimeter kürzer, bergab 5 bis 10 Zentimeter länger. Der Leki deckt mit 100 bis 135 Zentimetern beides ab, der Black Diamond bietet dafür nur die Mini-Grip-Verlängerung am Schaft, an der man bergauf tiefer greift.
Für flaches bis welliges Gelände reicht das. Für einen Steilhang, den man auf und wieder ab geht, ist der verstellbare Stock die ehrlichere Antwort.
Was Stöcke bergab wirklich abnehmen
Die Rechnung mit der Kniebelastung
Beim Bergabgehen wirkt auf das Kniegelenk je nach Steilheit ein Vielfaches des Körpergewichts. Bei 80 Kilogramm Körpergewicht plus 10 Kilogramm Rucksack und dem Dreifachen als Spitzenlast sind das rund 2650 Newton je Schritt.
Zwei Stöcke nehmen davon in der Größenordnung eines Fünftels ab, wenn sie aktiv aufgesetzt werden. Das sind grob 500 Newton je Schritt, die nicht durchs Knie gehen.
Auf 1000 Höhenmetern Abstieg mit rund 4000 Schritten summiert sich das zu einer Belastung, die man am Abend im Gelenk spürt oder eben nicht.
Entscheidend dafür ist, dass der Stock die richtige Länge hat und man ihn tatsächlich belastet. Ein zu kurzer Stock bergab wird nur mitgetragen, und dann nimmt er nichts ab.
Wofür welches Modell reicht
Wer die Stöcke vor allem zur Entlastung im Alltag braucht statt am Berg, findet passendere Modelle bei den Wanderstöcken für Senioren.
Wo jeder von beiden gewinnt
Für den Black Diamond spricht
- 288 statt 470 Gramm je Paar
- 42 Zentimeter Packmaß, klein genug für den Tagesrucksack
- Keine Klemmung, die sich unter Last lösen kann
- Schaft aus reiner Kohlefaser
- Fünf Längen zur Auswahl, Aufbau mit einem Zug
Für den Leki spricht
- Stufenlos von 100 bis 135 Zentimetern
- Korkauflage im Griff statt Schaumstoff
- Klemmverschluss mit TÜV-Süd-Prüfung
- Teller und Spitzen austauschbar
- Ausdrücklich auch fürs Bergsteigen freigegeben
Die Wahrheit liegt hier ausnahmsweise nicht in der Mitte, sondern in der Frage, wie oft die Stöcke im Rucksack stecken. Wer sie den ganzen Tag in der Hand hat und am Berg unterwegs ist, profitiert vom Verstellbereich mehr als vom Gewicht. Wer sie nur an einzelnen Passagen auspackt, trägt sie überwiegend, und dann zählt jedes Gramm und jeder Zentimeter Packmaß.



